Der große Notebook-Hersteller-Service-Check. Heute: Lenovo

Lenovo ist nicht gleich Lenovo. Die Unterschiede zwischen den Consumer-Geräten der IdeaPad Serien und den Business-Geräten der ThinkPad Serien sind gravierend, und zwar in jeder Hinsicht. Es gibt hier sehr unterschiedliche Vertriebs- und Servicekonzepte und Regelungen was die Ersatzteilversorgung betrifft. Nicht hinter allen Lenovo-Notebooks steckt die ehemals untadelige und gute „IBM-Qualität“.

HEUTE IM CHECK:

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Das Unternehmen:
Lenovo wurde im Jahre 1984 von einer Gruppe junger chinesischer Wissenschaftler gegründet. Im Jahre 2005 übernahm Lenovo die PC- und Notebook-Sparte von IBM. Mit diesem Kauf erwarb Lenovo auch den gut eingeführten Notebook-Markennamen ThinkPad von IBM.

Lenovo produziert heute u. a. Notebooks, Tablet-PCs, Ultrabooks, Desktop-Computer, Workstations, Server und Peripheriegeräte wie z. B. Computermonitore.

Die Notebook-Palette von Lenovo:
Grundsätzlich gilt es bei Lenovo-Notebooks zwischen den Consumer- und den Business-Geräten zu unterscheiden. Consumergeräte tragen überwiegend die Bezeichnung IdeaPad oder sind ganz ohne eine Modellbezeichnung. Die IdeaPad Notebook-Serien sind die S-, U-, Y-, V- und Z-Serien.
Die Businessgeräte werden unter dem noch von IBM stammenden Markennamen ThinkPad geführt. Die Thinkpad Business-Geräte der L-, T-, W- und P-Serien sind sehr hochwertige Notebooks.

Die Faustregel zur Unterscheidung lautet: Wenn auf einem Lenovo-Notebook nicht explizit ThinkPad draufsteht, ist IdeaPad-Technik drin. Lenovo Modelle ohne Ideapad-Bezeichnung sind z.B. das G50 – G45 oder teilweise auch die E-50, B590, B560, B540 oder das B550. Wir glauben übrigens eine Tendenz zu erkennen, wonach sich Lenovo wohl von der Bezeichnung IdeaPad verabschiedet. Viele neue Lenovo-Notebooks tragen nämlich die Bezeichnung IdeaPad schon nicht mehr.

Produktstrategie:

Consumergeräte (IdeaPad).
Lenovo hat im Consumerbereich momentan wohl die höchsten Wachstumszahlen aller Notebook-Hersteller, was vor allem auf eine aggressive Preispolitik, kombiniert mit sehr attraktiven, hochwertig wirkenden Gehäusen zurückzuführen ist. Die Lenovo-Consumergeräte sind smart, dünn, und besitzen eine interessante, fast samtene Haptik. Dieser insgesamt sehr edle Charakter macht, zusammen mit einem sehr konkurrenzfähigen Preis, im Moment eben den Unterschied. Aber auch die technische Ausstattung der Geräte ist sehr ordentlich, was beim Preis/Leistungsverhältnis nach unserer Meinung ein gutes bis sehr gutes Gesamtergebnis bringt.

Businessgeräte (ThinkPad).
Die Lenovo Business-Notebooks profitieren nach wie vor vom guten alten IBM-ThinkPad Image. Das Design der Geräte ist zwar etwas angestaubt, denn es hat sich über die ganzen Jahre hinweg im Grunde nur wenig verändert, dadurch besitzen die ThinkPads jedoch einen hohen Bekanntheitsgrad und einen entsprechend guten Wiedererkennungswert. Und in Punkto Robustheit sind besonders die markanten Gehäuse der ThinkPads geradezu legendär.

Das können die Fachelektroniker aus der IPC Notebookwerkstatt auch in vielerlei anderer Hinsicht bestätigen. Bei den Scharnierkonstruktionen z. B. werden auch bei den heutigen Lenovo ThinkPads noch überwiegend die robusten, von IBM entwickelten Lösungen verwendet. Der im Vergleich etwas höhere Marktpreis der Lenovo ThinkPads rechtfertigt sich unseres Erachtens durch eine insgesamt überdurschnittliche Qualität und die sehr exakte Verarbeitung der Geräte.

Seit kurzem gibt es mit der ThinkPad Edge-Serie übrigens auch ein Angebot an Mittelklasse-Notebooks. Das ist nach unserer Auffassung der Versuch, abgespeckte Businessgeräte zum Consumerpreis in den Markt zu bringen.

BEREICH NOTEBOOK-REPARATUR:

Organisation von Reparaturen und Service:
Einen Unterschied zwischen IdeaPad und ThinkPad macht Lenovo auch bei Reparatur- und Servicekriterien, denn es gibt unterschiedliche externe Servicepartner für die Business- und die Consumerschiene wobei das Servicelevel für die ThinkPad Business-Notebooks deutlich höher ist.

Gerade bei den Ideapad-Notebooks die um die 700-900 Euro kosten, entspricht der Service damit nicht dem Kaufpreis. Denn trotz stolzen Preisen hat man, weil es eben ein IdeaPad ist, nur einen B-Ersatzteile-Service.

Übliche Reparaturdurchlaufzeiten:
Zu den Reparaturdurchlaufzeiten in den jeweiligen externen Servicecentern deren sich Lenovo bedient, können wir mangels ausreichender eigener Erfahrung keine belastbaren Aussagen treffen.

Konstruktionsbedingte Schwachstellen der Notebooks aus Sicht der Fachwerkstatt:
Bei den Lenovo IdeaPads gibt es, wie bei so vielen anderen Herstellern auch, die übliche Problematik mit der Scharnieren. Diese sind oft unterdimensioniert und/oder die Verschraubungen nur unzureichend ausgeführt. Dies gilt nicht für die Businessgeräte der ThinkPad Serien, diese waren schon immer gut und sind es noch.

Thinkpad & Ideapad:

Die Strombuchsen einiger neuerer Lenovo Notebooks haben leider eine große Ähnlichkeit mit USB-Buchsen und werden deshalb oft mit diesen verwechselt.

Unsere Notebook-Werkstatt hat diese Problematik mit dem Titel “ Seltsame Bauformen von Notebook-Strombuchsen bringen Verwechslungs- und damit Beschädigungsgefahr…“ schon einmal einen eigenen Bericht gewidmet.

Zum Bericht geht es hier:
http://www.notebook-doktor.de/2016/06/seltsame-bauformen-von-notebook-strombuchsen-bringen-verwechslungs-und-damit-beschaedigungsgefahr-sind-das-irrwege-der-hersteller-auf-dem-weg-zu-usb-3-1-typ-c

BEREICH ERSATZTEILE:

Ersatzteilesituation:
Auch hier muss man zwischen IdeaPad und ThinkPad unterscheiden.

Ideapad Ersatzteile:

Es gibt im IPC Shop generell jede Menge Lenovo Ersatzteile, diejenigen die wir nicht am eigenen Lager haben, sind über die jeweiligen Ersatzteilenummern bestellbar. Hier besteht oft die Schwierigkeit, die richtige Ersatzteilnummer herauszufinden. Bei den Thinkpads findet man diese Nummer sehr oft auf den Ersatzteilen selbst, bei den Ideapad eher seltener, denn IdeaPad-Ersatzteile werden nach unserer Erfahrung vom Hersteller nur sporadisch (z.B. Akkus und Netzteile) mit den jeweiligen Ersatzteilnummern ausgestattet. Auch hier ein positiver Trend: Bei den neueren Lenovo Modellen tragen die Bauteile sehr viel öfter die korrekten Ersatzteilnummern. Mit den richtigen Partnummern und guten Kontakten lassen sich auch für die IdeaPads die meisten Notebook-Ersatzteile beschaffen.

Tipp: In den Fällen bei denen die Ersatzteilversorgung nicht gesichert ist, kann man im einen oder anderen Fall auch mal versuchen über verschiedene Plattformen auf gebrauchte Teile zurückzugreifen.

ThinkPad Ersatzteile:

Für alle ThinkPad-Modelle garantiert Lenovo die Ersatzteillieferung für mindestens fünf Jahre. Durch die Angabe der jeweiligen Geräteseriennumern erhält man alle im Gerät verbauten Teile explizit.

Die Ersatzteile, die wir von Lenovo erhalten, sind durchweg von guter Qualität, die Teile sind in der Regel neu.

Kritisch bei der Recherche nach den passenden Ersatzteilen für Lenovo-Notebooks ist die Doppelbelegung von Seriennamen. Es gibt z.B. Ideapad-Yogas und Thinkpad-Yogas. Leider sind deswegen viele Fehlbestellungen an der Tagesordnung.

Lieferzeiten für Ersatzteile:
Die Lieferzeit für Ideapad-Ersatzteile ist momentan leider oft sehr lange. Teilweise kann es bis zu drei Monaten dauern, gerade wenn wir größere Stückzahlen für unseren IPC-Shop direkt beim Hersteller bestellen. Die Kooperation mit IPC Computer Deutschland als Distributor ist seitens Lenovo nicht auf den Massenverkauf von Ersatzteilen ausgelegt. Die gute Nachricht lautet hier allerdings: Es gibt momentan vielversprechende Bestrebungen diese bislang etwas zähen und langwierigen Abläufe zu optimieren. Erste Ansätze dazu betreffen die Netzteile, Displays, und Akkus von Lenovo. Thinkpad Ersatzteile sind üblicherweise nach 1 Woche bei uns im Hause und haben damit eine vorbildliche Verfügbarkeit!

Ersatzteilpreise (relevante Warengruppen zur Beurteilung: Akkus, Netzteile, Mainboards):
Die Kosten für ThinkPad-Ersatzteile entsprechen dem der Notebooks allgemein. Der etwas höhere Preis wird durch die durchweg gute bis sehr gute Qualität gerechtfertigt.
Die Preise schwanken allerdings nach unseren Beobachtungen je nach Verfügbarkeit. Kurioser Ausreißer nach oben war ein Mainboard das wir nur für den horrenden Preis von 1.000 € angeboten bekamen. Lenovo ist insgesamt jedoch, ähnlich wie Fujitsu, in die Kategorie eines Premium Herstellers für Notebook-Ersatzteile einzuordnen.

Bei den Consumer-Notebooks können wir im Vergleich mit Consumergeräten anderer Hersteller auch eine insgesamt etwas kostenintensivere Ersatzteile-Situation feststellen. Hier hilft oft nur die Abnahme großer Mengen durch uns als Distributor um für unsere Kunden halbwegs erträgliche Preise anbieten zu können.

Produktfälschungen (Akkus/Netzteile):
Leider macht der Handel mit OEM / Grauware auch vor Lenovo-Notebook-Ersatzteilen nicht halt. Momentan beobachten wir, dass hauptsächlich von England aus über verschiedene Plattformen wie eBay und Amazon gefälschte minderwertige Produkte wie z.B. Netzteile angeboten werden. Aber auch große Onlineshops von Ersatzteilegroßhändlern im Ausland vertreiben diese Qualitäten. Die Empfehlung an unsere Kunden lautet: Sehen Sie sich die Verpackung genau an. Ein Originalprodukt lässt sich meist anhand mehrerer Kriterien an der Verpackung erkennen.

Lesen Sie dazu auch den kurzen Bericht in unserem BLOG. „Lenovo Produktfälschung aufgedeckt – Lenovo T60 Akku Vergleich Fälschung mit Original Akku.“
http://blog.ipc-computer.de/2015/05/lenovo-produktfaelschung-aufgedeckt-lenovo-t60-akku-vergleich-faelschung-mit-original-akku/

ZUSAMMENFASSUNG:
Lenovo ist nicht gleich Lenovo. Die Unterschiede zwischen den Consumer-Geräten der IdeaPad Serien und den Business-Geräten der ThinkPad Serien sind gravierend, und zwar in jeder Hinsicht. Es gibt hier sehr unterschiedliche Vertriebs- und Servicekonzepte und Regelungen was die Ersatzteilversorgung betrifft. Nicht hinter allen Lenovo-Notebooks steckt die ehemals untadelige und gute „IBM-Qualität“.

Ein ordentliches Ergebnis für Lenovo im IPC Notebook-Hersteller Service-Check.

Ein ordentliches Ergebnis für Lenovo im IPC Notebook-Hersteller Service-Check.

Wir vergeben für Lenovo eine 2,4
(Bewertung nach deutschem Schulnotensystem auf einer Skala von 1 bis 6, wobei 1 die beste und 6 die schlechteste Bewertung darstellt).

Im August 2016 unter der IPC-Lupe: Der Notebook-Hersteller Fujitsu.
Freuen Sie sich schon auf unseren nächsten Hersteller Check.